Leading Brands in Digital Times

Stefan Hoevel am 24. October 2008 um 10:12 24 10 2008

Das Fazit des ADC BIC Kongress in Berlin: Das Marketing und die Werbewelt verändern sich – diese Botschaft war endlich auch einmal aus etablierten Kreisen der deutschen Werbebranche zu hören. Dies überrascht umso mehr, als ich im Vorfeld des ADC BIC Kongress große Zweifel hatte, dass ein Verband wie der ADC heute schon zu diesen Erkenntnissen bereit ist (es sei an dieser Stelle angemerkt, dass ich den ADC einige Monate in der Auswahl der Themen und Speaker begleitet hatte). So begann der Kongress denn auch mit einem Streifzug durch die „neue Kreativität“ im Sinne des viralen Marketing und durch die Best Practices der Amerikaner, vorgestellt u.a. durch Chuck Porter (Crispin Porter + Bogusky). Mit anderen Worten - Burger King reloaded.

Dramatische Zitate fielen kurz danach von Colleen DeCourcy: „Looking for the silver bullet is killing us“ und „The BIG IDEA is over!“ Es scheint, als ob nun auch in Cannes langsam düstere Wolken aufziehen.

Völlige Verwunderung dann zu hören, wie die Vertreter anderer Agenturen das Thema interpretieren. Ich erspare mir einzelne Kommentare, aber wer die großen Schlachten des Advertising weiterhin dort schlagen will, wo vermeintlich Planungssicherheit herrscht, dem kann man nur wünschen, dass ihm nicht der Feind (oder Freund) schon vor der Schlacht wegläuft.

Nach einer Standortbestimmung von Sebastian Turner dann last but not least aber endlich doch noch eine engagierte Rede von Amir Kassaei von DDB, bei dem eines klar wurde: Marketing muss sich ändern. Und das fängt beim Mindset der Werbetreibenden an, nicht bei der Mediaplanung. Es wird also spannend zu beobachten, ob sich genau dieser Mindset bei der anstehenden ADC Vorstandwahl durchsetzen wird - siehe auch hier - oder ob die deutsche Werbebranche ein weiteres Jahr auf noch mehr „Kreativität“ setzen will.

Eines ist sicher – dieser ADC Kongress war ein Meilenstein, der in den nächsten Tagen und Wochen sicherlich höchst kontrovers in der Werbebranche diskutiert werden wird. Wir von lemon5 freuen uns darüber – untermauert es doch unseren Marketing 2.0 Ansatz, den wir bereits seit 2006 mit unseren Kunden umsetzen. Amir Kassaei bestätigte ebenfalls, dass dieser Change auch flächendeckend in die Unternehmen getragen werden muss – ob die Agenturen von heute dafür bereits die richtigen Partner sind, bleibt zumindest unserer Meinung nach stark zu bezweifeln.

Warum ? Ein Kongress zu diesem Thema, auf dem kein einziges Mal die Begriffe „Social Media“, „Pull“ oder „Zuhören“ fallen, der lässt vermuten, dass über Wirkungsweisen des neuen digitalen Marketings nicht allzu viel bekannt ist. Da aber der Konsument 2.0 sicherlich entscheiden wird, was am Ende relevant ist wird man sehen, ob die Werbebranche es tatsächlich schafft der Werbung eine neue Relevanz zu geben.

Ach ja – das Unwort des Kongresses war „Relevanz“. Hierzu erlaube ich mir dann doch noch eine kleine Anmerkung: Genauso wenig wie eine Werbung viral wird, wenn man „Viralität“ ins Briefing schreibt, wird Werbung für den Konsumenten relevant, wenn man „Relevanz“ ins Briefing schreibt. Ich halte es da eher mit Dr. Paul Marsden: Echte Relevanz beginnt beim Produkt. Und hierzu könnte man auch endlich mal den Konsumenten frühzeitig einbinden, statt die Flopraten bei den Produkteinführungen stetig zu steigern.

Zu guter Letzt großen Respekt an Morten Lund – dafür, dass es immer noch Hoffnung nach der Finanzkrise gibt, dass man mit wenig Worten viel sagen kann und dass man auch mit 88 Investments immer noch Spaß dran hat aus kleinen Problemen der Menschheit große Lösungen zu bauen. Weiterlesen kann man hier www.lundxy.com

(Fragen zum Kongress bitte per Email direkt an Stefan Hövel)


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