DaWanda: ein Königreich für einen Kunden!

Nadine Vollmer am 31. January 2008 um 10:43 31 01 2008

DaWanda ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie E-Commerce zum Shopping-Erlebnis wird und damit ideale Voraussetzungen für erfolgreiche Mundpropaganda schafft.
Dafür sind vor allem die folgenden fünf Punkte besonders ausschlaggebend:
Erstens: ein gut zu merkender Name für eine gute, wenn auch nicht ganz neue Geschäftsidee
Zweitens: die Ausrichtung an dem Wunsch nach Individualität und Einzigartigkeit
Drittens: der Einbezug der Kunden als Designer
Viertens: eigene Community von „Seelenverwandten“
Fünftens: das emotionale Erlebnis, das mit einem Einkauf verbunden ist.

DaWanda Startseite Valentinstag

Im November 2006 machte DaWanda erstmals im deutschen Netz von sich reden: unter dem internen Arbeitstitel Kuschelrallye wurden handgenähte Buchstaben an ausgewählte Blogger geschickt mit dem Ziel, erst Irritation und Interesse, und dann den Bericht über die Launch der neue Plattform auszulösen, Mundpropaganda (Buzz) eben. Das hat nicht immer so wunderbar funktioniert wie ausgedacht, war im Prinzip aber richtig überlegt, einzig die Blogger hätten vielleicht besser ausgesucht werden müssen, vielleicht weniger nach dem Prinzip Reichweite als Interesse. (hier nachzulesen). Aber seit Dezember 2006 ist DaWanda für alle Nutzer online an den Start gegangen.

Per Definition ist DaWanda eine Social Commerce-Site, den Gründern zufolge steckt noch mehr dahinter: Es handelt es sich laut Selbstbeschreibung um den „Marktplatz für Individuelles. Hersteller können auf DaWanda ihre handgefertigten Einzelstücke und limitierten Editionen anbieten. […] Dabei ist DaWanda nicht einfach „nur“ eine Shopping Plattform, sondern auch eine Community, bei der sich die Mitglieder austauschen, Top-Produkte bewerten, Themen- und Empfehlungslisten anlegen, u.v.m. […] Der Kunde wird zum Designer. Diese Form der Individualisierung ist einzigartig.“ (Quelle: Interview auf Süddeutsche.de ) Der Kunde als König, der sich ausgewählte Unikate auf Maß anfertigen lässt, und das zu durchaus erschwinglichen Preisen.
Gemacht wird DaWanda von der ehemaligen Lastminute-Managerin Claudia Helming und Michael Pütz, Gründer des internationalen Online-Schülernetzwerkes Passado, Sitz ist Berlin. DaWanda orientiert sich an „Etsy - your place to buy & sell all things handmade“ einer internationalen, 2005 in Amerika begründeten Shopping-Plattform. Doch DaWanda soll nicht nur ein Abklatsch von Etsy sein, sondern ist laut Michael Pütz der europäischen Mentalität angepasst.
Folgend Features bietet DaWanda dem interessierten Kunden in deutscher, englischer und französischer Sprache:
Eine sehr gute Artikeldarstellung mit Bildern, Material, Herstellungsart, Tags, Farbe und Beschreibungstext. Dabei kann jeder Artikel von jedem registrierten Benutzer nicht nur über Merklisten gespeichert werden, sondern es können selbst Tags vergeben werden und Kommentare geschrieben werden. Nach Artikel kann über Stichwörter, Material, Herstellungsart und Farben sowie Kategorien gesucht werden, es gibt Shops und Subdomains für Shops, Nutzerprofile mit Fotos, Listen und Messagingfunktion, sowie Volltextsuche nach Artikel und Mitgliedernamen. Neben dem DaWanda-Blog und dem Forum kann man über den Feedback-Button seine Meinung per email direkt dem DaWanda-Team kund tun. Der Kunde kann sich über „Coloranda“ Produkte in seiner Lieblingsfarbe anzeigen lassen oder im Style-Lab Produkte nach eigenen Wünschen zusammenstellen. Außerdem offerieren viele Anbieter die Möglichkeit, sich die Produkte auf Maß schneidern zu lassen. Bei DaWanda Trends bekommt man eine Überblick über die „Produkte, die alle haben wollen, Ideen, die die Blicke auf sich ziehen, Hersteller, die begeistern“ und „Menschen, die die Trends von morgen setzen.“
Nach Anlaufschwierigkeiten ist DaWanda inzwischen auf Erfolgskurs. Nachdem SinnSchrader für die PR und Spreadshirt als strategischer Partner (inklusive Übernahme von Sozeug.net) gewonnen werden konnte, sind seit Februar 2007 Holtzbrinck Ventures als Investoren eingestiegen.
Zu Weihnachten 2007 wurde DaWanda in renommierten Zeitschriften als der Geheimtipp für originelle Weihnachtsgeschenke gehandelt und seit Januar diesen Jahres gibt es eine Kooperation mit Burda Fashion: Per Pressemitteilung vom 10.01.2008 und auf seiner Startseite verkündet Burda Fashion: “Der burda Marktplatz macht’s möglich! In der Kreativ-Community finden Sie die schönsten Produkte aus den heimischen Ateliers und können Ihre eigenen Kreationen anbieten. Vom selbst genähten Traumkleid über handgemachte Broschen bis zur individuell gefertigten Tasche finden User aus Deutschland, Frankreich und England hier limitierte Editionen und tolle Unikate rund um die Themen Mode und Accessoires.”
Damit ist BurDaWanda die dritte Social Shopping Kooperation von Burda nach Edelight/Freundin und BurdaStyle/Etsy
Außerdem hat auch die Zeit ihre Vorliebe für Handgemachtes entdeckt.

DaWanda und Burda Fashion DaWanda auf der Zeit-Seite

Doch auch DaWanda musste neben alle Vorteilen, die der Kunde König hat, auch die Nachteile akzeptieren, die so eine Macht mit sich bringt. Der „Klopapierverstecker“ als neues Superprodukt entgegen einer geplanten Premiumausrichtung war sogar Martin Oetting von connected marketing einen Beitrag wert: „So wird also in Zusammenhang mit DaWanda ein Thema kommuniziert, das eigentlich genau das Image unterstützt, das die DaWandas gern loswerden würden… Aber da man sowas nicht bekämpfen kann oder sollte, muss man mitmachen. Noch ist es keine virale Bewegung, sondern nur ein Beispiel dafür, dass die Kommunikationshoheit nicht mehr allein bei den Unternehmen liegt. Mal sehen, was noch draus wird.“
Neuestes Produktthema der Community ist übrigens der Gurkenkönig in all seine Ausprägungen…
Aktuell sind bei DaWanda 50.000 Mitglieder registriert davon sind ca 6.000 Hersteller mit über 70.000 Produkten aus Deutschland, Frankreich, England und den Beneluxländern vertreten. DaWanda berechnet bei Verkäufen 5% als Provision und plant, demnächst eine Einstellgebühr in noch unbekannter Höhe zu erheben.
DaWanda entspricht dem wachsenden Wunsch nach Individualisierung und Customizing. Mit dem altmodischen Hauch, der Handgemachtes in Deutschland noch immer umweht, hat DaWanda sicherlich noch einige Zeit zu kämpfen, da auch in die Auswahl der verkauften Produkte nicht regulierend eingegriffen wird.
Der registrierte Nutzer wird durch die Features wie Kommentierung der Produkte und Erstellen eigener Merklisten fast automatisch Bestandteil einer Community, die die gleichen Interessen miteinander verbindet. Die Organisation der Seite erlaubt ihm außerdem, nicht nur Kunde zu sein, sondern - neben dem Anfertigen lassen eigener Ideen - auch selbst problemlos als Anbieter auftreten zu können.
Einer der wichtigsten Punkte ist aber m.E. nach das Gefühl, das mit einem Einkauf bei DaWanda verbunden ist: nicht nur dass man ein Unikat oder ein Stück aus einer Kleinstauflage erworben hat, sondern der Käufer ist Helfer bei der Verwiklichung eines Traums. Nämlich des Traums, den die meisten Menschen hegen: für ihre ureigensten Ideen Respekt, Beifall und schließlich auch bare Münze zu bekommen. Und genau das geschieht bei DaWanda. Und hinterlässt bei Allen ein mehr als gute Gefühl.
Was könnte auch ein König mehr wollen.

Nachtrag: Aktuell vermeldet Jochen Krisch/exciting commerce, dass Etsy sich über weiter Abgaben von Unternehmensanteilen 27 Mio. Dollar von Burda und Accel gesichert hat. Das bedeutet, dass Accel Partners jetzt an Etsy und indirekt - über Spreadshirt - auch an DaWanda beteiligt sind.


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